Gedanken von unseren Pfarrer:
Gedanken zum Ewigkeitssonntag Was ist das Wichtigste im Leben? Die Perspektive: Wenn ein Kind mit der Perspektive aufwächst, am Ende warte sowieso nur „Hartz4“, wird es sich da in der Schule besonders anstrengen? Wenn aber Eltern ihrem Kind die Perspektive geben, es lohne sich, die Welt mit ihren Tieren, Pflanzen, Geschichten, Ländern, Menschen, Kulturen und Religionen zu entdecken, wird dieses Kind die Herausforderungen im Leben ganz anders angehen. Das Wichtigste im Leben ist also die Perspektive! Was ist Deine Lebensperspektive, mal abgesehen von notwendigen Dingen wie Arbeit und Geld? Unter welche Perspektive stellst Du Dein Leben? Anders gefragt: Was erwartest Du an Deinem Ziel, am Ende? Erwartest Du am Ende lediglich etwas - eine Hand voll Erde? So zu denken, scheint modern. Oder erwartet Dich am Ende … jemand – Gott? Deine jeweilige Perspektive bestimmt Dein Leben und darum sagt man:„Wie man sich bettet, so liegt man! Das gilt bis ins Große: Immer wieder hört man -teils berechtigte- Klagen über unsere Gesellschaft. Aber wundert es tatsächlich, dass wir so sind? Denn wenn die Perspektive unseres Lebens nur bis zum Grabhügel reicht, wird das auch unsere Art beeinflussen, wie wir (nicht) leben: Meine jeweilige Perspektive prägt mein Leben und je nach Perspektive wird sich mein Leben anders gestalten. Wir Christen leben unter einer herrlichen Perspektive: Darum laden wir jedes Jahr am Ewigkeitssonntag (in diesem Jahr am 26. November ab 9 Uhr) alle Zöblitzer, Ansprunger, Neusorger usw. in unsere Kirche ein. Wir erinnern an die in diesem Kirchenjahr Verstorbenen und entzünden für jedes Gemeindeglied eine Kerze auf einem großen Holzkreuz. Warum? Weil Gottes Ewigkeit unsere Perspektive ist: Nicht ein Haufen Erde wartet auf mich, sondern Gott, unser himmlischer Vater, wartet am Ende meines Lebens auf mich. Unter dieser Perspektive steht mein Leben. Sie prägt mein Leben und – so hoffe ich – auch mein und Ihr Lebensende. Ihr Pfarrer Liebe Menschen im „Weihnachtsland“, liebe Hießsche und Uhießsche, die meisten unserer Mitbürger sind nicht Christen, feiern aber trotzdem Weihnachten. Dürfen die das??  Freilich! Ich bin sogar froh, wenn nicht nur Christen christliche Feste wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten usw. begehen. Warum? Dazu ein vielleicht ungewöhnlicher Vergleich: Christliche Feste sind eine wichtige, seelische Schutzimpfung: Eine Impfung aktiviert – vereinfacht gesprochen - unser Immunsystem gegen verschiedene Krankheit, seien es nun körperliche wie z. B. Hepatitis, Diphtherie oder Tollwut, seien es in unserem Fall seelische oder gesellschaftliche. Ein Beispiel: Unter Griechen und Römern war vieles erlaubt, was heute als Verbrechen gilt. Z. B. war es gesellschaftlich akzeptiert, Kinder dem sicheren Tod auszusetzen. Nun erinnern Christen zu Weihnachten daran, dass Gott Mensch wurde: Als Sohn armer Eltern kam er zur Welt. Maria „legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge“, berichtet Lukas (Kapitel 2, 7). Matthäus weiß, dass Jesu Familie bald Asyl in Ägypten suchen musste, „denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen und umzubringen.“ (Matthäus, Kapitel 2, 13) Diese Weihnachtsgeschichte und weitere biblische Geschichten machten aus dem griechisch-römischen Europa unser christliches  Abendland: Kinder galten nun von Beginn an als Menschen; Kirchen, Klöster und erst viel später der Staat sicherten soziale Grundbedürfnisse ab; Kirchen und Klöster wurden zu Asylstätten für Verfolgte. Daran knüpft unser Grundgesetz gleich in der Präambel (dem Vorwort) an: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, … hat sich das Deutsche Volk … dieses Grundgesetz gegeben.“ Hierauf folgen die Artikel zu den Grundrechten wie Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit oder eben auch Asyl. Wir leben im christlichen Abendland. Weihnachten und andere christliche Feste sind wie eine Schutzimpfung für unsere Gesellschaft und Seele. Diese aktiviert unser seelisches Immunsystem und prägt so unsere Gesellschaft, dass sie menschlich bleiben oder wieder werden kann. Und darum freue ich mich, dass so viele Menschen, die keiner Kirche angehören, im Advent oder am Heiligen Abend Kirchen besuchen. Denn ich hoffe für unser Land, dass die Botschaft vom menschlichen Gott im Stall zu Bethlehem auch in Zukunft unser Abendland prägen wird „im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen.“ Eine erfolgreiche Schutzimpfung wünscht Pfarrer Wolfram Rohloff! Gott segne Sie!