Zöblitzer Geschichten 500 Jahre Reformation in Mitteleuropa – Was ist aus jener Zeit für Zöblitz bekannt? Teil 1 (zusammengestellt von Bert Körner) Aus dem Jahr 1517 sind nur wenige nennenswerte Informationen erhalten geblieben. Eine davon notierte der Marienberger Paul Roitzsch, dass aus den Bergwerken bei Zöblitz Zinn in Ehrenfriedersdorf abgeliefert worden ist. Marienberg existierte noch nicht, aber Clemens Schiffel, welcher die ersten Silberfunde am17.07.1519 im Tal des Schlettenbaches vermeldete, löste ein „Berggeschrey“ aus. Freibergs Bürgermeister Calw entwirft daraufhin einen regelmäßigen Stadtgrundriss zum Errichten einer neuen Bergstadt namens Marienberg, deren Gründung dann auch am 27.04.1521 vollzogen ist. Auch in unserer Gegend zeigen sich Unruhen Mitte der 20-er Jahre. Die Morgenstern- Chronik zur 750-Jahr-Feier von Olbernhau beinhaltet nachfolgenden Seidemann-Bericht: "Auf dem Czobloss (Zöblitz) zogen die beiden Häuer von Madenberg, Georg Kandler und Hundshaut, ein, gingen in die Pfarre und begehrten vom Pfarrer deutsche Messe, deutsche Taufe und Anderes. Als der Pfarrer sich so lange es nicht durch Herzog Georg anerkannt würde, dies zu gewähren weigerte, erklärten sie, sie seien vom Grünhainer Haufen abgesandt und hätten Briefe. Den Leuten zu Zöblitz aber drohten sie: Sie sollten zum Haufen kommen, wo nicht, so würden sie mit dem Haufen kommen und ihnen das Bier aussaufen. Da forderte der Richter zu Zöblitz auf Andrängen der Gemeinde im Namen ihrer Herren Georgs von Berbisdorf und Georgs von Zschirn die Dörfer zusammen nach Zöblitz, um die Pfarre in Schutz zu nehmen. Auf dieses Gebot ließ der Richter Thomas Oehmichen zu Olbernhau seinen Leuten spät am Abend ansagen, sie sollten des andern Tags früh zum Zöblitz bei ihren Herren, denen von Berbisdorf sein, er selbst aber ritt eilig nach Zöblitz, wo er die Gemeinde schon im Schwärmen und Zusammenschwören begriffen antraf und das Lesen der 12 aufrührerischen Artikel mit anhören musste. Auf das Begehren der Gemeinde, den Harnisch haben zu wollen, um angeblich ihrer Herren Gut verteidigen zu können, redete Oehmichen zum Frieden: „Was liegt Euch an dem Harnisch! Sie werden meinem Herrn nicht so bald in sein Schloss laufen und wenn es gleich also geschähe, als es nicht geschieht, so verlöre er tausendmal mehr, als ihr." Die Zöblitzer hatten nämlich bereits erfahren, dass Georg von Berbisdorf sich entfernt habe (er besaß auch ein Haus in Freiberg und war dorthin geflüchtet) und diese Kunde ward Anlass zur Murmelung. Teil 2 „Schnell ritt Oehmichen den Zöblitzern, die den Harnisch abfordern wollten, voraus zu dem Schlosse Lauterstein, um sichere Nachricht zu erlangen. Auf dem Lauterstein fand er Wolfen Becherer, Berbisdorfs Schwager, Wolfen Trübenbach und anderes Hofgesinde mehr neben der Herrenfrau, auch das Schloss mit Geschütz und Anderem genugsam versehen, auf dem niederen Schlosse aber nur einen alten Mann. "Da habe ich (sagte Oehmichen vor Gericht aus, als Unterdrückung des Aufstandes die Aufrührerischen ins Verhör genommen wurden) Wolfen Becherer nach dem Herrn gefragt, wo er wäre; darauf der geantwortet, er wäre gen Freiberg und nach Dresden geritten, sich Rats zu holen, wie er und seine Leute sich in solcher aufrührerischen Zeit zu halten hätten. Darauf ich gesagt, er hätte doch einen seiner Söhne daheim lassen mögen, bei dem wir uns Rats zu pflegen gehabt. Ich habe ihm auch Vermeldung getan, dass die Leute auf dem Czobloss sich gehäufelt und eine Empörung gemacht, ihnen auch vorgenommen hätten, das Heergerät zu fordern; aber ich wollte mich versehen, er würde ihnen das nicht geben; ich wollte es ihm auch nicht raten. Darauf er gesagt: Mit nichten gedenke ich das in Abwesen meines Schwagers zu tun, denn ich warte alle Stunden von ihm Botschaft mit Befehl, wes ich mich halten soll, und so bald mir die kommt, will ich Dir die auch wissen lassen. Darauf hat mir auch die Frau neben ihm Befehl getan und mich gebeten, so viel mir möglich, Fleiß anzuwenden, dass solche Empörung gestillet und abgewendet würde. Indessen sind meine Leute hernach gekommen, ich bin von Lauterstein wieder auf den Czobloss geritten und habe fürder möglichen Fleiß vorgewendet, die Unlust unter den Leuten und ihr Vornehmen zu dämpfen und abzulehnen, habe sie auch dahin beredet, dass sie davon abgestanden. Ich habe dabei auch nicht kleine Gefahr bestanden und des Unfalls, so der seinen Vorgang gehabt hätte, warten müssen, weil sie mir öffentlich gedroht haben, ich sollte der Erste in meiner Behausung von ihnen gepocht werden, und weil ich nun an meinem Erbherrn nicht habe treulos wollen werden, bin ich ihres Unfugs mit Glimpf entwichen und alle Stunden ihres Überfalls meines Hauses in großer Sorge und Fahr gestanden. Es sind auch bei solcher Aufruhr und Anhebens ihrer Empörung keine meiner Nachbarn von Olbernhau gewesen, so lange als ich wieder vom Schlosse gekommen bin und sind selbst nie aufrührerisch gewesen." Wolf Becherer sagte späterhin aus: "Da er von seinem Schwager Berbisdorf Befehl gehabt habe, in dessen Abwesen das Schloss Oberlauterstein in guter Acht zu haben, sei zu ihm vor das Schloss gekommen der Richter von Olbernhau samt Einigen von Zöblitz und habe zu ihm gesagt: Herr Wolf, es sind die Leute von Czobloss da und wollen das Heergerät haben. Er habe geantwortet: Ich gebs ihnen mit nichten nicht. Da habe sich der Richter mehr zu ihm gewendet und heimlich zu ihm gesagt: Ihr sollt ihnen bei Leibe das Gerät nicht geben. Und der Richter hat zu den Leuten, so mit ihm gewesen, geredet und gesagt: Liebe Leute, ihr höret das wohl; ich habs euch vor gesagt und will euch gebeten haben, ihr wollet in dem als getreue und fromme Leute euch halten und eure Pflicht bedenken. Sie sind also von dannen gegangen und der Richter zum Olbernhau ist mit diesen Worten geschieden: Herr Wolf, wollet mir nichts verargen und das Schloss in guter Wahrung haben; es haben mich die Leute vermocht, mit hinabzuziehen, wiewohl ich ganz schwer dazu gewesen bin." Rolf Morgenstern schlussfolgert nun, „… aus dieser Erzählung geht unwiderleglich hervor, dass Zöblitz schon vor der Reformation seinen eigenen Pfarrer hatte, entgegen der Vermutung des Pastor Hering, welcher in seiner Chronik S. 222 anderer Ansicht ist.“ Dies vermutet ebenso Pfarrer Michael Harzer, der in einem Visitationsprotokoll von 1539 den Namen Jacobus Heineck als hiesigen Pfarrer entdeckte.  Teil 3  (zusammengestellt von Bert Körner) Noch 1468 wird berichtet, dass es in Zöblitz 18 Häuser und drei wüste Stellen gibt. Offensichtlich ändert sich nicht viel bis 1501, denn dort werden im Türkensteuerregister 21 besessene Mann gelistet. Die Bebauung beschränkte sich damals abgesehen von den Vorwerken/Glashütte auf den heutigen Marktplatzbereich, wobei auf der Grünfläche mit dem heutigen Baumbestand damals eine Schmiede, ein Brauhaus und ab 1557 ein Marktturm standen. Bis zur Jahrhundertmitte verdoppelt sich die Häuserzahl in Zöblitz. Zwischen 1501 und 1559 existierten allein 8 verschiedene Schreibweisen des Namens unseres Städtchens. Im ältesten erhaltenen Stadtsiegel von 1488 ist ein Bärenkopf abgebildet. Neben der notwendigen Landwirtschaft war der eine oder andere schon mit der Bearbeitung von Serpentinstein beschäftigt, denn sonst hätte Agricola 1546 nicht bereits von gefertigten Löffeln, Bechern und Wärmesteinen aus Serpentin berichten können. Und das die Zöblitzer überwiegend begeisterte Lutheraner waren, könnte auch daran gelegen haben, dass 1529, wie Dr. Mathé berichtet, Martin Luther beim Bürgermeister Zürner in Schleiz Bier aus einem Zöblitzer Serpentinsteinkrug getrunken haben soll. Genau wissen wir dafür, dass zuerst 12, später 9 umliegende Ortschaften ihr Bier aus Zöblitz abnehmen mussten – ein typisches Privileg der Verwaltungsmittelpunkte/Städte des Mittelalters. Denn dieses Recht wurde mehrfach herrschaftlich, später kurfürstlich erneuert - eine bedeutende Einnahmequelle für die hiesige Einwohnerschaft. Als Bergstädtchen lebte man von der halben Trank- und Landsteuer befreit. Auf die Einfuhr von Getreide und Malz musste kein Grenzzoll bezahlt werden. Zu den Besonderheiten zählt die Holzfreiheit, welche den Alteinwohnern ein jährliches Anrecht auf Holz aus den umliegenden Wäldern garantierte. Teil 4  (zusammengestellt von Bert Körner) Ein wichtiges Erbe dieser Zeit ist die Einführung des Schulwesens, welches im ländlichen Gebiet zumeist von Pfarrern ausgeübt wurde. Nach dem Tod des Herzog Georg dem Bärtigen führte sein Bruder Heinrich der Fromme die Reformation im albertinischen Sachsen ein und somit auch in Zöblitz 1539. Demnach ist lt. Steinbachs Chronik Caspar Hänichen erster evangelischer Pfarrer 1544 im Amt. Damit beginnt auch die Schulchronik von Zöblitz. Ein Kantor Ambrosius Meiler wird  als Lehrer zwischen 1544 und 1554 genannt. Bis 1488 stand nur eine einfache Kapelle in Zöblitz, deren Zeitpunkt der Erbauung unbekannt ist. Danach errichtete man eine Kirche, wie sie auf der Dillich-Zeichnung von 1629 zu sehen ist. Erhalten geblieben sind u.a. eine Glocke mit der Inschrift: „In der Ehr Marie Magdalene nach Christi Geburth 1476“. Vielleicht auch der Weihename des neuen Kirchenbaus. Leider sind im Zuge der Reformation auch Dokumente vernichtet worden. So sind die Kirchenbücher erst nach dieser Zeit erhalten mit kleineren Lücken. Auch die Gerichtstätigkeit ist erst ab 1539 belegt. Im Museum Zöblitz ist ein Buch hierzu erhalten, wo z.B. Eintragungen über die Besitzverhältnisse und -wechsel niedergeschrieben sind. Allein die zahlreichen Nennungen der Familie Schiffel in dieser Zeit lässt die Vermutung zu, dass der Entdecker des Marienberger Silbers von Zöblitz aus den Weg in Richtung Wüstenschlette nahm, hier wohl damals schon wohnte. Auch wenn die Nachweise von aufgetretener Pest in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Zöblitz fehlen, waren die Menschen in der damaligen Zeit stark von Hunger und Elend infolge Missernten und Unwettern geprägt. Speziell die Heuschreckenplage, welche 1542 weite Teile Mitteleuropas heimsuchte, sei hier hervorgehoben. Zusammenfassend kann man auch für Zöblitz und Umgebung feststellen, dass die Zeit der Reformation erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung des gesellschaftlichen Lebens im 16. Jahrhundert hatte, die letztlich bis heute nachwirken. Der erste Kindergarten in Zöblitz von Bert Körner Foto von 1918 Eine bislang nur wenig beachtete Leistung vollbrachte in den letzten Jahren des 1. Weltkrieges und darüber hinaus der Evangelische Frauenverein. Am 25.2.1917 eröffnete dieser ein Kinderheim im Erdgeschoß der Zöblitzer Johannisstraße 18. Pfarrer v. Funcke berichtet über ein reges Interesse, denn bis zu 74 Kinder beaufsichtigte man vor Ort. Damit entlastete man die Mütter, welche nebenbei noch in Lohnarbeit standen. Man kann also auch von einer Kinderbetreuung im Sinne eines Kindergartens sprechen. Ab 1.12.1919 wird dann ein eigener Verein gegründet, der als Kinderheim-Verein Zöblitz unter der Leitung von Frl. Else Härtig stand, einer außerordentlich treuen, sehr kirchlichen Dame, wie Pfarrer Gerber in seinen kirchlichen Jahresbericht schrieb. So fand z.B. am 14.12.1919 am Nachmittag 16.00 Uhr eine Weihnachtsfeier im Gasthof „Stadt Wien“ statt. 1920 wird Pfarrer Gerber als Vorsitzender des Kinderheims genannt. Der Großmütterchen-Verein unterstützt seine Arbeit. Ein Jahr später werden 35 Kinder zum Jahresende betreut, man konnte diese hilfreiche Einrichtung erhalten. Eine neue Diakonisse übernahm die Tätigkeit. Im kirchlichen Jahresbericht von 1922 ist dann nur noch vermerkt, dass „das Kinderheim am 1.11. aus Geldnot geschlossen werden musste, nachdem es das ganze Jahr hindurch viel Segen verbreitet hatte.“ Die wenig erhaltenen Informationen sind es wert, nach fast 100 Jahren in Erinnerung gebracht zu werden.